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„Gegen Gewalt und Mobbing“: Jan Kleen setzt ein Zeichen
23. August 2015 von Max Förster

Bei der Aktion "Gegen Gewalt und Mobbing" lässt sich Jan Kleen mit Fußballmannschaften aus ganz Deutschland ablichten, so auch mit der Mannschaft des MTV Foto: Privat
Wolfenbüttel. Über viele Jahre Opfer von Mobbing zu sein, geht an die Psyche. Der geistig Behinderte Jan Kleen aus Wilhelmshaven zeigte nun Stärke und hat vor einem Jahr, am 18. September, die Aktion „Gegen Gewalt und Mobbing“ ins Leben gerufen. Er lässt sich seit dem deutschlandweit mit Sportvereinen ablichten, um der Öffentlichkeit zu zeigen, dass auch behinderte Menschen normale Menschen sind.
Von Geburt an ist er in seinen motorischen Fähigkeiten leicht eingeschränkt, wodurch auch eine Lese-Rechtschreib-Schwäche zustande kommt. „Ich habe in der Vergangenheit selbst viel Mobbing erleben müssen. Ich hatte keine Freunde und habe nur noch World of Warcraft gespielt.“, sagte Jan Kleen. „Nach dem Tod meines Opas, der meine Behinderung auch nie akzeptieren konnte, habe ich viel nachgedacht. Was kann ich machen, dass es mir besser geht?“ Die Wunden aus der Vergangenheit haben ihn jetzt stark gemacht, sodass er bereit ist, in der Öffentlichkeit darüber zu reden und möchte andere Menschen mit einer Behinderung motivieren, sich zu engagieren, „Jeder kann sich trauen“, betont Jan Kleen. Mit seiner Aktion möchte er den Menschen die Augen öffnen und zeigen, dass auch Behinderte ganz normale Menschen mit ganz normalen Bedürfnissen sind, die im gleichen Maße am gesellschaftlichen Leben teilhaben können, wie andere auch. Sein Leben habe sich seit letztem Jahr sehr verändert. Es habe viele positive Resonanzen gegeben. Bald wird er auch beim NDR bei „Das rote Sofa“ zu sehen sein, wie er selbst berichtete.
Auch der MTV Wolfenbüttel e.V. von 1848 war von seiner Aktion begeistert und freute sich darüber, dass Jan Kleen mit der Wolfenbütteler Fußballmannschaft abgelichtet werden möchte. „Es wird immer viel über Flüchtlinge und Rechtsextreme berichtet, aber nur selten über geistig Behinderte“, sagte Lars Pape vom MTV. Stolz setzte er seine Unterschrift auf das Trikot von Jan Kleen, der bereits zahlreiche Unterschriften und Bilder von Sportmannschaften gesammelt hat. Wer mehr über Jan Kleen und seine Projekte erfahren möchte, kann sich der Facebook-Gruppe „Hand in Hand gegen Intoleranz und Gewalt“ anschließen. Hier stellt er alle aktuellen Aktivitäten online zur Verfügung.





nwz  09.12.2014
Facebook-Initiative
Mutmacher Jan kommt online an
Irmela Herold

„Ich kämpfe für alle, die sich selbst nicht wehren können.“ Unter diesem Motto wirbt der 21 Jahre alte Jan Kleen aus Wilhelmshaven um Toleranz für Menschen mit Behinderungen. Das beschert ihm viele positive Kommentare, „Gefällt mir“-Klicks und Einladungen aus ganz Deutschland.
Wilhelmshaven Hätte er die Mama vorher um Rat gefragt, wäre wohl nie etwas ins Internet gekommen. Aber zum Glück hat Gerda Kleen nichts gewusst, und so hat Jan einfach losgelegt.
Vor etwa drei Monaten startete der 21-Jährige aus Wilhelmshaven auf Facebook seine Aktion „Hand in Hand gegen Intoleranz und Gewalt“, um „auf uns Menschen mit Behinderungen aufmerksam zu machen“ – und die Resonanz ist riesengroß.
Mittlerweile hat er sechs Videos auf seiner Seite veröffentlicht, in denen er um sein Anliegen wirbt: „Ich habe als Kind selbst viel weggesteckt und auch viel Angst gehabt. Jetzt will ich anderen zeigen, dass man seine Lebensfreude wiederfinden kann.“
Jan kam als Frühchen zur Welt, was eine Entwicklungsverzögerung zur Folge hatte. Aufgewachsen ist er in Großheide im Kreis Aurich. Als er zwölf Jahre alt war, begann seine ältere Schwester – heute auch seine Betreuerin – ein Studium an der Fachhochschule, und die Familie zog nach Wilhelmshaven. Jan kam auf die Förderschule – wo er kreuzunglücklich war. „Ich war von der ganzen Klasse ausgeschlossen, das war die Hölle.“ Der Wechsel an die Tagesbildungsstätte der Gemeinnützigen Gesellschaft für Paritätische Sozialarbeit Wilhelmshaven (GPS) war nach den schlimmen Monaten sein großes Glück. Heute arbeitet er bei der GPS in der Gärtnerei.
Jan weiß um seine Schwächen, beispielsweise bei Rechtschreibung und Feinmotorik, aber er kennt auch seine Stärken: „Ich kann gut zuhören, Menschen aufbauen, ihnen Mut machen.“ Sein Schlüsselerlebnis hatte er mit einem Freund. „Eigentlich ein ganz lieber Mensch, aber wenn man ihn auf dem falschen Fuß erwischt, flippt er aus.“ Jan stellte fest, dass es dem Freund besser geht, wenn sie viel Zeit miteinander verbringen. Mutter Gerda bestätigt: „Er hatte schon immer das Talent, Menschen anzuziehen, die Probleme haben.“ Die offenherzige Art lässt einfach keinen Platz für falsche Scham.
Jan sagt es so: „Ich möchte einfach, dass es allen gut geht.“ Ob auf Facebook, per Skype oder WhatsApp – bei Kummer hat der junge Wilhelmshavener ein offenes Ohr. Ein, zwei Jahre hat er sich selbst nicht vor die Tür getraut, weil Nachbarskinder ihn gemobbt und verprügelt haben oder Passanten einfach weitergingen, wenn er im Park attackiert wurde und um Hilfe bat. All die schlechten Erfahrungen hat Jan umgemünzt in Kraft und Zuversicht, die er an andere weitergeben möchte. „Viele, die ich kenne, die können sich nicht wehren. Für die mache ich das.“
Woher kommt sie soziale Ader, die Stärke, die Gutmütigkeit, die alle Gemeinheiten übersteht? Schon die Mutter musste kämpfen gegen Ablehnung und Vorurteile – und das in der eigenen Familie. „Bei den Großeltern war Jan nicht akzeptiert. Bei Familientreffen war ich oft in Sorge, das war ganz schrecklich“, sagt sie. Ein Todesfall in der Familie Anfang des Jahres habe ausgelöst, dass ihr Sohn ins Grübeln kam, hinterfragte, überlegte und das Ganze offensichtlich in etwas Gutes umsetzte. Die im Verborgenen ausgebrütete Facebook-Initiative des Sohnes erfüllt mittlerweile auch die Mama mit Stolz. Nicht nur, weil es auf Facebook reichlich Lob für den tollen Sohn gibt, sondern weil sie merkt, wie wichtig anderen Müttern der Austausch ist. „Ich bin von vielen Frauen angesprochen worden, wie schwierig es ist, wenn Großeltern die nichtbehinderten Enkel bevorzugen.“ Ein großes Thema sind für Gerda Kleen auch die Pläne zur Inklusion, die sie sehr kritisch sieht. „Das Kind muss gefragt werden, auf welche Schule es gehen will“, meint sie. „Auf keinen Fall sollten die Sonderschulen abgeschafft werden.“
Seine Hilfsbereitschaft hat Jan viele Facebook-Freunde, „Gefällt mir“-Klicks und positive Kommentare eingebracht – und zu seiner großen Freude auch jede Menge reale Begegnungen. Der Erfolg seiner Aktion hatte ihm beispielsweise Mut gemacht, einen „Lebenswunsch“ auf Facebook zu äußern: Motorradfahren. Davon erfuhr „Triker Tom“, der mit ihm nicht nur einen ganzen Nachmittag durch Hamburg fuhr, sondern hinterher auch noch ein dickes Paket mit Lederkutte und anderen Überraschungen schickte. Unter anderem hat Jan jetzt noch Einladungen zur Besichtigung des Frankfurter Flughafens, nach Berlin und auf einen Bauernhof in Süddeutschland.
Aber nicht nur in der Ferne knüpft Jan Kontakte. Zu einem ersten Treffen in einem Café in Wilhelmshaven, das er initiierte, kamen rund 30 Leute. Weitere Termine sind geplant.
Über all seine Erlebnisse berichtet Jan auf seiner Facebook-Seite. Und selbst wenn ein Film mal auf dem Kopf steht oder die Buchstaben durcheinandergeraten, ist die Botschaft völlig klar: „Wir Menschen mit Behinderungen sind ein Teil eurer Gesellschaft.“



nwz   14.03.2015
Initiative
Vom Opfer zum Mutmacher

21-Jähriger mit Behinderung setzt sich für Toleranz und gegen Gewalt ein
Rahel Arnold

Jan Kleen aus Wilhelmshaven ist mit seiner Initiative sehr erfolgreich. Und er plant schon die nächste Aktion. Bild: Kleen
Jan Kleen hat mit seinen Aktionen schon viele Menschen erreicht. Seine Motivation: „Anderen helfen, damit sie ihr Leben wieder genießen können.“
Wilhelmshaven Jan Kleen aus Wilhelmshaven weiß, wie sich Schläge anfühlen, wie es ist, wenn man beschimpft und bespuckt wird – und wenn alle anderen dabei wegsehen. „Ich wünsche niemandem, dass er erleben muss, was ich erlebt habe“, sagt er.
Der 21-Jährige erinnert sich noch gut an die vielen Nächte, in denen er vor Angst und Bauchschmerzen nicht einschlafen konnte, in denen Jugendliche aus der Nachbarschaft Eier gegen sein Zimmerfenster knallten. „Manchmal haben sie auch Steine geworfen“, sagt Jan. „Dann splitterte Fensterglas.“
Flucht in Parallel-Welt
Und weil seine Angst immer größer wurde, flüchtete Jan vor dieser Welt und seinem Leben. „Ich habe mir in einem Online-Rollenspiel eine Parallelwelt aufgebaut, da war ich sicher, da konnte ich mich wehren“, sagt er.
Er kam zehn Wochen zu früh auf die Welt, die Folge war eine so genannte Entwicklungsstörung. Jan erklärt das so: „Ich kann nicht so gut Schreiben wie andere, ich bin auch nicht so schnell, ich war in der Schule das schwächste Glied.“
Mit zwölf Jahren zog er mit seiner Familie von Großheide nach Wilhelmshaven. Dort begann sein Martyrium. An der Förderschule wurde er gequält und ausgegrenzt, nach einem dreiviertel Jahr wechselte er die Schule – seine Parallelwelt und die Mobber aus der Nachbarschaft blieben. Wenn ihn der Schulbus vor der Tür ablieferte, rannte Jan ins Haus – „sie hätten hinter jeder Ecke auf mich lauern können“.
Das ging mehrere Jahre so. Erst als Jan an die Tagesbildungsstätte der Gemeinnützigen Gesellschaft für Paritätische Sozialarbeit Wilhelmshaven (GPS) wechselte, wurde sein Leben ganz langsam wieder bunt. Ein Freund reichte ihm die Hand, fuhr mit ihm Fahrrad, verabredete sich mit ihm in der „echten Welt“. Jan streckte seine Fühler aus.
„Und dann starb mein Opa“, sagt Jan. Der Opa sei nie mit seiner Behinderung klargekommen. Jan wünschte sich nichts mehr als „viele schöne Momente mit ihm.“
Die kamen aber nie. Da beschloss Jan, den Mund aufzumachen. Er gründete eine Initiative gegen Gewalt und für Toleranz. Ging mit seiner Idee online und wirbt seitdem mit vielen Aktionen für seine Sache. Knapp 2400 Freunde hat er auf Facebook, gut 5000 Menschen gefällt seine Fan-Seite. „Für viele behinderte Menschen bin ich ein Glücksfall“, glaubt Jan.
Denn er hilft den Menschen, hört ihnen zu und ist das Gesicht dieser Bewegung. „Mir schreiben Behinderte, Mobbingopfer, aber auch andere Menschen, die meine Aktion toll finden“, sagt Jan.
Anderen die Hand reichen
Er antwortet fast jedem: 15 000 Nachrichten hat er geschrieben – „mindestens!“, sagt er. „Dafür will ich auch kein Geld, ich wüsste gar nicht, was ich damit anfangen soll. Von Geld halte ich nicht viel, Freundschaft, jemand der dir ein Lächeln ins Gesicht zaubert, das ist, was wirklich zählt“, findet Jan.
„Ich möchte den Menschen Mut machen, ihnen dabei helfen, dass sie ihr Leben wieder genießen können. Ich reiche ihnen meine Hand.“ Dafür fährt Jan mit dem Zug auch durch ganz Deutschland und besucht Menschen.
Für den 2. Mai hat er seine nächste große Aktion geplant: Ein Foto mit ihm und mehr als 250 Menschen, die sich auf dem Valoisplatz in Wilhelmshaven versammeln und gegen Gewalt und für Toleranz ein Zeichen setzen werden. Denn „wir sind eben auch Menschen, egal ob wir im Rollstuhl sitzen, nicht sprechen können, blind oder taub sind, wir sind lustig und gut drauf, wir haben ein gutes Herz und wir denken gar nicht so schlecht über die anderen, wie die oft über uns denken.“




19.04.2015
harlinger anzeiger
Vom Mobbingopfer zum Helfer im Netz
Jan Kleen setzt sich für mehr gesellschaftliche Toleranz ein und erntet viel Zuspruch
Von LENNART HECHT

LENNART HECHT
Seine mehr als 5500 Facebook-Anhänger auf der
Als er selbst gehänselt wurde, hat ihm niemand geholfen. Heute mobilisiert er online gegen Mobbing und unterstützt andere.
WILHELMSHAVEN

Jan Kleen steht in seinem ehemaligen Kinderzimmer und schaut aus dem Fenster nach draußen auf die Straße. Vor der Wohnung in der ersten Etage eines Mehrfamilienhauses ist kaum jemand unterwegs, es ist stürmisch. Regen und Wind drücken gegen die Hauswand. Vor zehn Jahren flogen von der heute verlassenen Straße Eier gegen sein Zimmerfenster. Es war der traurige Höhepunkt jahrelanger Mobbing-Attacken, die der inzwischen 21-Jährige ertragen musste.
„Ich habe viel Schlechtes erlebt“, sagt Kleen, der mit seiner Mutter Gerda in ihrem gemeinsamen Wohnzimmer Platz genommen hat. „Es hat damit angefangen, dass mein Opa mich wegen meiner Behinderung nicht akzeptiert hat.“ Als Jan Kleen 2005 im Alter von zwölf Jahren mit seiner Familie nach Wilhelmshaven zog und auf die Förderschule kam, wurde es noch schlimmer. „Ich war sofort unten durch, weil für mich ein anderer Junge die Klasse verlassen musste“, erzählt Kleen. Außerdem hätten seine neuen Mitschüler bald gemerkt, dass er leicht reizbar sei. Schnell hätten es die Jugendlichen nicht mehr nur bei Beleidigungen und Hänseleien belassen. Bei einem schwereren Vorfall sei er geschlagen und bespuckt worden. Dagegen wehren konnte er sich nicht. Ähnlich machtlos fühlten sich sowohl seine Lehrer als auch die eigene Mutter. Auch nachdem Jan Kleen die Förderschule verließ und von der Gesellschaft für Paritätische Sozialarbeit (GPS) aufgenommen wurde, hörte das Mobbing durch seine ehemaligen Mitschüler nicht auf. Irgendwann zertrümmerten Eier die Scheibe seines Zimmerfensters. Er wusste nicht mehr wohin und zog sich zurück. „Im Online-Rollenspiel ,World of Warcraft’ konnte ich mir meine eigene Welt aufbauen, in der ich Freunde hatte“, schildert er.
Man merkt Jan Kleen an, wie schwer es ihm fällt, von dieser qualvollen Zeit zu erzählen. Nachvollziehen könne er die Angriffe bis heute nicht. Weil er zehn Wochen zu früh auf die Welt kam, ist er leicht geistig behindert und beim Lesen und Schreiben sowie in der Feinmotorik eingeschränkt. Dass er deshalb gesellschaftlich ausgegrenzt wurde, empört ihn.
Inzwischen ist Jan Kleen umgezogen. Das Zimmer, an dessen Fenster vor zehn Jahren Eier zerschellten, ist heute ein Abstellraum. Kleen hat ein neues Zimmer bekommen und in seinem Leben einen Wendepunkt durchlaufen. Die Zeiten, in denen er sich zu Hause versteckt hat, sind schon länger vorbei. Über ein Computerspiel im Internet hat Kleen 2009 Christian kennengelernt, dem er sich anvertraute und von dem er ermutigt wurde „raus zu gehen und ein neues Leben zu beginnen“. Auch die GPS unterstützte ihn bei diesen Schritt.
Im Herbst 2014 drehte Kleen ein Video mit seiner Geschichte und lud es auf der privaten Facebook-Seite hoch. „Das schaut sich niemand an“, dachte er. „Das geht wieder nach hinten los“, war seine Mutter skeptisch – beide sollten Unrecht haben. Binnen weniger Tage wurde das Video vielfach geteilt und insgesamt 120 000 Mal aufgerufen. Jan Kleen erhielt zahlreiche positive Rückmeldungen und Freundschaftseinladungen. Schon einen Monat nach dem Video habe sein privates Profil nicht mehr ausgereicht. Kleen gründete die Facebook-Seite „Hand in Hand gegen Intoleranz und Gewalt“, um seine Fans mit weiteren Videos und Statusmeldungen zu versorgen.
Inzwischen haben mehr als 5500 Menschen auf „Gefällt mir“ gedrückt. Für Kleen ist die Fanseite „eine gute Möglichkeit, um sich auszutauschen“. Darüber hinaus will er aber auch „im echten Leben Leute treffen“. Das tat er: Inzwischen hat es zwei Treffen im „News Café“ am Wilhelmshavener Börsenplatz gegeben. Außerdem wurde er unter anderem zu Fußballspielen eingeladen und hat Weihnachtspost aus Finnland erhalten.
In all dem Trubel seit seinem ersten Video hat Jan Kleen seine ursprüngliche Absicht nicht vergessen. Er will weiterhin Opfern von Mobbing helfen und zu einem toleranten Miteinander aufrufen. Genauso sehr wie über einen Stadionbesuch freue er sich darüber, „andere zu begeistern und glücklich zu machen“. Oft bekommt Kleen Zuschriften von Menschen, die unter Mobbing leiden und durch seine Geschichte neuen Mut schöpfen können.
„Wegen einer Behinderung sollte sich keiner verstecken müssen“, findet Gerda Kleen. Um das zu unterstreichen und öffentlich gegen Mobbing aufzurufen, will ihr Sohn Jan am 2. Mai um 15 Uhr ein Gruppenfoto auf dem Wilhelmshavener Valoisplatz machen. Bisher haben 364 seiner Facebook-Anhänger ihre Teilnahme zugesagt.
Das stürmische Wetter will an diesem Tag nicht nachlassen, aber damit können Gerda und Jan Kleen leben. Die beiden haben in den vergangenen Jahren mit ganz anderen Zumutungen der Außenwelt zurecht kommen müssen.
Dass die Geschichte letztlich ein gutes Ende genommen hat, macht Gerda Kleen glücklich. Ihr Sohn Jan habe endlich „etwas gefunden, wofür er leben kann: anderen zu helfen“. Diese Entwicklung mache sie stolz, zumal sie immer noch schwer begreifbar scheint. Jan Kleens Opa hat all das nicht mehr mitbekommen. Er starb im vergangenen Jahr, noch bevor das erste Video seines Enkels auf Facebook erschien. Gerda Kleens Wunsch, dass der Opa „irgendwann Verständnis aufbringen könnte“, blieb somit unerfüllt. Damit bleibt zumindest ein kleiner Wermutstropfen zwischen allen guten Entwicklungen der letzten Jahre. „Keiner sucht sich seine Behinderung aus“, weiß Gerda Kleen.



.augsburger-allgemeine    13. November 2015
Facebook
In die Offensive: Mobbingopfer wird zum Mutmacher
Früher verließ Jan-Patrick Kleen, 22, nicht das Haus. Aus Angst. Heute sucht er die Öffentlichkeit. Mit einer Facebook-Seite gegen Intoleranz und Gewalt möchte er Mut machen. Von Daniela Fischer

Jan-Patrick Kleen hat viel durchgemacht. "Heute bin ich stark", sagt er.
Ein Albtraum. Ein hartes Wort. Aber genau so, sagt Jan-Patrick Kleen, habe es sich angefühlt, als er als Elfjähriger wegen eines Umzugs die Schule wechseln musste. Von seinen neuen Mitschülern sei er beleidigt, bespuckt und geschlagen worden. Immer wieder.
Heute ist Jan-Patrick Kleen 22 und hat in diesen jungen Jahren schon viele schwere Momente hinter sich. Auch mit seinen Großeltern, erzählt er offen, sei es nicht immer leicht gewesen. Sie seien mit seiner Behinderung früher "nicht so gut klargekommen".
Jan-Patrick Kleen aus Wilhelmshaven ist zehn Wochen zu früh auf die Welt gekommen. Sein Gehirn war nicht ausgereift. Daher rührt heute seine Lern- und Rechtschreibschwäche, auch seine Bewegungen fließen nicht so mühelos wie bei anderen. Grund genug für viele, ihn anzugreifen - verbal und körperlich.
Irgendwann, sagt Jan-Patrick Kleen, habe er das Mobbing in der Schule nicht mehr ausgehalten. Es folgte ein weiterer Wechsel. Danach verbesserte sich die Situation - allerdings nur im Unterricht. "Nachbarskinder haben Eier und Steine gegen unsere Fenster geworfen", erzählt Jan-Patrick Kleen. Viele Freunde hatte er nicht. "Wie auch, ich traute mich ja gar nicht aus dem Haus."
Jan-Patrick Klee will mit seiner Facebook-Seite Mut machen
Stattdessen verbrachte der Jugendliche viel Zeit vor dem Computer. Er flüchtete sich in Videospiele, isolierte sich immer mehr. Bis zu einem Tag, der sein Leben verändern sollte. Ein Junge, den er beim Spielen im Internet kennengelernt hatte, wollte sich plötzlich mit ihm treffen. Jan-Patrick Kleen zögerte, sagte dann aber doch zu. Heute ist er froh darüber - und dankbar. Denn sein neuer Freund hat in ihm wieder die Freude am Leben geweckt. "Du darfst nicht immer nur das Schlimme sehen", habe er ihm gesagt. "Du musst raus!" Und Jan-Patrick Kleen bemerkte auf einmal, was er verpasst hatte. Auch die Arbeit in einer Behindertenwerkstätte ließ ihn nach und nach immer selbstbewusster werden.
"Viel zu lange", sagt der 22-Jährige, habe ihm der Mut gefehlt. Jetzt, wo er ihn endlich gefunden hat, möchte er ihn mit anderen teilen. Ein Stück davon abgeben. Genau diese Idee steckt hinter seiner Facebook-Seite "Hand in Hand gegen Intoleranz und Gewalt". Rund 7500 Menschen verfolgen aktuell, die Bilder, Videos und Gedanken, die Jan-Patrick Kleen postet.
In die Offensive: Mobbingopfer wird zum Mutmacher - weiter lesen auf Augsburger-Allgemeine: http://www.augsburger-allgemeine.de/panorama/In-die-Offensive-Mobbingopfer-wird-zum-Mutmacher-id36053812.html
Den ersten Clip veröffentlichte er im Sommer vergangenen Jahres. Er beginnt mit: "Hallo, mein Name ist Jan-Patrick. Ich finde es eine Frechheit, wie manche Leute mit uns Behinderten umgehen." Das Video wirkt nicht professionell, das Bild wackelt, aber die Botschaft kommt an. Jan-Patrick Kleen spricht offen über seine Behinderung, über die Angriffe und darüber, wie er sich schließlich zur Wehr gesetzt hat. "Heute bin ich stark", sagt er, "aber es gibt viele behinderte Menschen, die keinen Mumm und keine Kraft haben."
Viele bedanken sich bei Jan-Patrick Kleen. "Du gibst so vielen Menschen Kraft und Hoffnung", schreibt eine Userin unter einem seiner Facebook-Beiträge. Schulen, erzählt der 22-Jährige, laden ihn immer wieder ein, um seine Erfahrungen zu teilen. Sogar Nachrichten aus dem Ausland erreichen ihn. "Ich bin für alle da", sagt Jan-Patrick Kleen. "Und wenn nur ein paar Menschen merken, dass aus etwas Schlechtem etwas Gutes werden kann, macht mich das sehr glücklich."



Wilhelmshaven
22.11.2014
Jan Kleen wirbt im Netz für mehr Toleranz
Der Wilhelmshavener Jan Kleen hat eine geistige Behinderung. Im Internet wirbt er mit seiner Aktion „Hand in Hand gegen Intoleranz und Gewalt“ für mehr Verständnis.

Kleen freut sich über die positive Resonanz auf seine Videos und die Facebook-Seite „Hand in Hand gegen Intoleranz und Gewalt“. Er möchte auf die Probleme behinderter Menschen aufmerksam machen. WZ-FOTO: Gabriel-Jürgens
Von Stephan Giesers
Wilhelmshaven - Ein Video im Internet, aufgenommen mit einem Handy - so hat alles angefangen. Das Bild ist verwackelt, die Kameraperspektive schief. Aber die Botschaft könnte nicht klarer sein. „Mein Name ist Jan Patrick, und ich finde es eine Frechheit, wie manche Menschen mit uns Behinderten umgehen“, stellt sich der junge Wilhelmshavener in dem Video vor.
„Früher bin ich schwach gewesen und habe mich nicht gewehrt. Jetzt bin ich stark und kann anderen Menschen Mut machen.“
Der junge Mann heißt Jan Patrick Kleen. Fünf Videos hat er bereits im Internet veröffentlicht und die Facebook-Seite „Hand in Hand gegen Intoleranz und Gewalt“ ins Leben gerufen. Schon nach wenigen Tagen folgten ihm weit mehr als 1000 Menschen.
„Ich finde es nicht gut, dass Menschen so viel gemobbt werden. Ob Menschen mit oder ohne Behinderung - das ist doch eigentlich egal“, sagt der 21-Jährige und erzählt von seinen eigenen Erfahrungen. Jan Kleen wuchs in Großheide im Landkreis Aurich auf, lebt nun seit 2005 mit seiner Mutter in Wilhelmshaven und arbeitet in der Gärtnerei der Werkstatt für Menschen mit Behinderung der Gesellschaft für paritätische Sozialarbeit (GPS) an der Planckstraße. „Ich habe eine Entwicklungsverzögerung, weil ich zehn Wochen zu früh auf die Welt gekommen bin“, erzählt er. Deshalb sei er oft gehänselt worden. Gemobbt, sogar verprügelt von anderen Kindern. So ging es auch später weiter. „In Wilhelmshaven habe ich mich eine Zeit lang nicht auf die Straße getraut.“ Jugendliche aus der Nachbarschaft lauerten ihm auf, warfen Eier gegen die Fenster. „Da habe ich mich verkrochen, viel Computer gespielt und mir eine eigene Welt aufgebaut, in der mich keiner hauen kann.“
Besonders schlimm sei es an einer Förderschule gewesen. „Von der ganzen Klasse ausgeschlossen zu werden, das ist die Hölle. Das wünsche ich keinem Menschen.“ Nach einem halben Jahr wechselte er an die Tagesbildungsstätte der GPS, die er bis zum 12. Schuljahr besuchte. „Da hat man mich zum ersten Mal so akzeptiert, wie ich bin.“ Und er hat Freunde gefunden. Einer seiner besten Freunde ist blind. Sie sind ganz viel unterwegs, fahren manchmal mit einem Tandem.
Auf jeden Fall will Jan Kleen weitere Videos aufnehmen und im Internet über seine Erfahrungen schreiben. Früher hätte er darüber nicht so offen sprechen können, heute will er es der ganzen Welt erzählen. Wie Menschen mit Handicap täglich mit Vorurteilen zu kämpfen haben. Wie es ist, „anders“ zu sein und deshalb ausgegrenzt zu werden. Inklusion - dieses sperrige Wort würde ihm dabei nicht in den Sinn kommen. Und trotzdem bringt er es auf den Punkt: „Wir sind ein Teil Eurer Gesellschaft.“



Wilhelmshaven  04.05.2015
Gruppenfoto gegen Mobbing
Auf dem Valoisplatz haben sich am rund 50 Menschen zu einem Gruppenfoto gegen Mobbing versammelt. Eingeladen hatte der Wilhelmshavener Jan Kleen.

Jan Kleen (stehend, mittig, im blauen T-Shirt) und seine Freunde, Kollegen und Unterstützer. Der junge Mann freute sich über das zahlreiche Erscheinen für das Foto. WZ-FOTO: Gabriel-Jürgens
Von Imke Oltmanns
Wilhelmshaven - Auf dem Valoisplatz versammelten sich am Sonnabendnachmittag rund 50 Menschen zu einem Gruppenfoto, zu dem ein mittlerweile recht bekannter Wilhelmshavener eingeladen hatte. Der 21-jährige Jan Kleen freute sich, das so viele seinem Aufruf folgten. In den vergangenen Tagen hatte er in den Medien und in sozialen Netzwerken dazu aufgerufen, sich zu einem Foto gegen Mobbing und Gewalt zu treffen.
„Mobbing gibt es schon im Kindergarten und in der Schule“, so Kleen. Er selbst habe lange darunter gelitten. „Allein ist man schwach, nur gemeinsam ist man stark“, so begrüßte er seine Gäste. Der junge Mann engagiert sich seit geraumer Zeit stark gegen Mobbing und für die positive Wahrnehmung von Behinderten. Er selbst hat nach eigener Aussage eine Entwicklungsverzögerung, da er zehn Wochen zu früh auf die Welt gekommen sei. Mit seinen online-Aktivitäten erreicht er mittlerweile viele Menschen; unter den Angereisten auf dem Valoi­s­platz war unter anderem auch ein Mann aus Osnabrück, der extra für das Foto angereist war.



Wilhelmshaven
13.08.2015
Jede Woche kommt ein Paket mit Spielzeug-Spenden
Jan Kleen will mit der Initiative „Hand in Hand gegen Gewalt und Intoleranz“ anderen helfen.

Jan Kleen (dritter von links) mit Mitarbeitern und Gästen des Café Suutje.
Im Café Suutje berichtete der 21-Jährige aus Wilhelmshaven von seinem Werdegang. Seit einem Jahr hat er sich durch Projekte bekannt gemacht.
Barkel Es ist schon erstaunlich, was Jan Kleen durchgemacht hat: Weil der 21-Jährige aus Wilhelmshaven geistig behindert ist, wurde er in der Schule, aber auch in seiner Freizeit gemobbt und nicht selten verprügelt – und alles nur, weil er ein bisschen anders ist.
Jahrelang hat sich Jan Kleen deshalb zu Hause versteckt. „Früher musste ich durch den Park rennen, heute kann ich wieder normal laufen“, meint Jan. Denn seit einem knappen Jahr engagiert er sich aktiv gegen Gewalt und Intoleranz. Mit einem Video, das er im sozialen Netzwerk Facebook postete und in dem er um Toleranz wirbt, hat alles begonnen (die NWZ  berichtete).
„Mein Hobby ist, anderen durch meine Geschichte zu helfen“, erklärt Jan Kleen. Und so berichtete er nun auch im Café Suutje im Barkeler Busch über seinen Werdegang. Magret Finkenstädt von den Schortenser Lebensweisen hatte ihn eingeladen.
Im Café Suutje am Ende der Langsamstraße kommen Gäste und Mitarbeiter mit und ohne Behinderung ins Gespräch. Jeden Sonnabend und Sonntag um 15 Uhr finden „Viertelstündchen“ statt, in denen jeder etwas vortragen kann. „Wir versuchen eine bunte Mischung zu entwerfen, auch wenn es nicht immer ganz leicht ist“, sagt Magret Finkenstädt.
In diesem Rahmen berichtete Jan Kleen, wie er durch seine Aktionen Menschen mit Behinderung mehr Selbstvertrauen geben und gleichzeitig die Akzeptanz in der Gesellschaft fördern will.
Im kommenden Jahr will Jan auch in Schulen referieren, bereits jetzt ist er in vielen Sportvereinen eingeladen. Auch ein Video über sein früheres Leben dreht der 21-Jährige zurzeit. „Meine Mutter hat mich stets unterstützt und freut sich über mein neu gefundenes Selbstbewusstsein“, meint er.
Inzwischen ist Jan mit seinem Projekt sehr bekannt. „Auf der Straße sprechen mich Leute an und sagen, dass sie es toll finden oder laden mich ein“, erzählt er. Besonders stolz ist er auf ein Ereignis kurz nach Weihnachten: „Da habe ich eine Postkarte von einem Fan aus Finnland bekommen, der mir alles Gute gewünscht hat.“ Für viele Betroffene ist er schon zu einer Identifikationsfigur geworden.
Unterstützt wird er bei allem von seinen Freunden und Arbeitskollegen Henning und Helmut, beide ebenfalls behindert. Die beiden sind sich einig: „Jan ist ein herzensguter Mensch, der für jeden sein letztes Hemd gibt.“
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